Ich habe das Bänder Weben auf dem Inkle Loom erst entdeckt, lange nachdem ich mit dem Brettchenweben begonnen hatte. Es lassen sich nicht ganz so komplexe Muster herstellen, wie beim Brettchenweben und die Struktur des Bandes ist eine andere, aber je nach Verwendungszweck lassen sich tolle Bänder erschaffen.

Es ähnelt mehr dem Weben, was wir wohl alle in der Schule gelernt haben, aber im Gegensatz zum Weben auf dem Schulwebrahmen, sind es hier (ähnlich wie beim Brettchenweben) die Kettfäden, die das Muster bilden. Der Schußfaden "verschwindet" fast vollständig im Gewebe. 

 

Durch verschiedene "Pick-Up-Techniken" ist es möglich, die machbaren Muster erheblich zu erweitern. 

 


Das ist mein "Inkle Loom" oder "Bänderwebrahmen". Er ist einfach selber zu bauen und die Materialkosten halten sich in Grenzen. Wer einen guten Baumarkt in seiner Nähe hat, kann sich das Holz gleich passend zuschneiden lassen. 

 

Meinen ersten Inkle Loom habe ich aus Multi-Plex gebaut. Er hat mir eine ganze Weile gute Dienste geleistet, aber leider hat er sich verzogen, als ich mit relativ hoher Spannung gewebt habe. Über Nacht hatte ich die Kette nicht entspannt und das hat dazu geführt, dass der Rahmen sich so verzogen hat, dass die Bänder auf einer Seite länger waren, als auf der anderen.

Nach dieser Erfahrung habe ich den nächsten Loom aus Hartholz gebaut, dass es im Baumarkt für den Terrassenbau gibt. Das ist sehr viel Widerstansfähiger und zusammen mit stärkeren Rundhölzern kann er auch mit hoher Spannung gut umgehen.

 

Diesen Webrahmen verwende ich auch zum Brettchenweben, weil das den Vorteil hat, dass ich das Weben auch einfach mal kurz unterbrechen kann ohne auf die Kette oder die Brettchen zu achten, was ich müßte, wenn ich am Gürtel webe.

Ein Nachteil des Brettchenwebens auf diesem Rahmen ist, dass sich bei manchen Mustern die Kettfäden sehr verdrillen, was zu einer unregelmäßigen Spannung auf den Fäden führen kann. Wie das Problem gelöst werden kann, erkläre ich an entsprechender Stelle.

 


Durch die Kombination von Basiselementen und eine fast unbegrenzte Kombinationsmöglichkeit von Farben, lassen sich wunderschöne Bänder schaffen.

 

Nachdem ich das Grundprinzip verstanden hatte, habe ich schnell mit dem Experimentieren begonnen. 

Mittlerweile verwebe ich von Nähgarn, über Strick- und Häkelgarn bis zum Stoffgarn alles, was ich in die Finger bekommen kann.

 

 

 

 

 


Um ein Muster zu weben, wird ein Schärbrief erstellt. Der Schärbrief beim Bandweben ist sehr übersichtlich und leicht zu verstehen. 

Ich möchte hier zwei Versionen zeigen, die mir bei meiner Suche im "weltweiten Netz" immer wieder begegnet sind:

 

Diese Art des Schärbriefes verwende ich bei allen Anleitungen auf dieser Seite, weil ich finde, dass er am einfachsten zu verstehen ist.

Die obere Reihe steht für die Kettfäden, die durch die Litzen laufen, die untere Reihe steht für die offenen Fäden. Dieser Schärbrief hat den Vorteil, dass man schon ungefähr sehen kann, wie das Muster später aussehen wird.

Man sollte es nicht für möglich halten, aber dieser Schärbrief gibt das gleiche Muster wieder, dass ich oben verwendet habe. In diesem Fall werden die Fäden durch die Litzen gezogen, in dessen Farbfeld sich der schwarze Punkt befindet. 

Es wird wie eine Tabelle von links nach rechts und von oben nach unten gelesen.
Diese Methode ist zwar platzsparend, aber ich finde sie sehr unübersichtlich und es ist nicht zu sehen, wie das Muster später einmal aussehen wird.

 

Sollte euch noch eine andere Schreibweise für den Schärbrief begegnet, dürft ihr ihn mir gerne schicken. Ich werde ihn dann mit aufnehmen.

Dieses Band ist nach den gezeigten Schärbriefen entstanden.

 

Wenn ich die Schärbriefe für meine Bänder entwerfe, mache ich das entweder auf kariertem Papier oder ich drucke mir eine Vorlage aus.

Ich zeichne das Muster für zweifarbige Bänder nur mit Bleistift ein, also quasi schwarz/weiß, schwarz für die dunklere Farbe, weiß für die hellere (logisch, oder?).


Der Verlauf einer Kurzen Kette. Nicht immer soll die größtmögliche Länge auf dem Bandwebrahmen gewebt werden, weil zum Beispiel nur ein neues Muster ausprobiert wird.

Die Kette muß nur über den Spannungsregler, die beiden oberen Pegs und irgendwo untern verlaufen, um das Weben möglich zu machen.

Das ist der Verlauf der längstmöglichen Kette auf dem Webrahmen. Alles Pegs werden verwendet.

 



Anhand des oben gezeigten Schärbriefs möchte ich hier nun zeigen, wie der Bandwebrahmen aufgespannt wird.

 

Ich verwende hier grünes und gelbes Garn. Grün für dunkel, gelb für hell.

Um auf dem Bandwebrahmen Bänder zu weben brauchen wir Litzen (im englischen "heddles"). 

Es gibt extra Garn für die Litzen, aber ich verwende ebenfalls Häkelgarn aus Baumwolle und habe noch keine Nachteile feststellen können.

 

Die Litzen haben eine passende Länge, wenn sie, wie im Bild zu sehen, um die vier Pegs des Webrahmens gelegt und zusammengeknotet werden. 

Das geht sehr viel schneller und genauer, als wenn die Länge einzeln abgemessen und dann geknotet wird.

 

Damit die Litzen viele, viele Webstücke lang halten und sich die Knoten nicht lösen, mache ich einen dreifachen Überhandknoten und sichere ihn mit einem doppeltem Überhandknoten.

Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass man niemanden braucht, "der mal eben den Finger auf den Knoten hält"...

 

Die überstehenden Enden des Fadens werden so kurz wie möglich abgeschnitten, damit sie sich nicht mit den anderen Enden "vertüdeln".

Irgendwo muss der Anfang des Fadens befestigt werden, um mit dem Aufspannen zu beginnen. Auf vielen Internetseiten wird vorgeschlagen, ihn mit einem Stück Tape an dem Rahmen zu befestigen.

Ich habe mir angewöhnt, einfach ein Auge in den Faden zu Knoten und ihn dann über die Flügelmutter meines Spannungsreglers zu hängen.
Hat den Vorteil, dass ich mir meinen Rahmen nicht mit den Klebeflächen versaue und ich habe einen etwas stabileren Anfang.

Die obere Reihe des Schärbriefes zeigt die Fäden, die durch die Litzen laufen. Dafür starte ich mit dem ersten Faden wie oben gezeigt und gehe dann hoch auf den ersten Peg. 

Je nachdem, wie lang mein Webstück werden soll, ziehe ich ihn über die Pegs (wie im Bild zu sehen, verwende ich nicht alle Pegs, denn die Länge ist so für mich ausreichend).

 

Der zweite (offene!) Faden wird von dem Spannungsregler zum "hinteren" Peg geführt, der vordere Peg also ausgelassen.

Für das weitere Spannen der Kette merken wir uns, dass immer ein Faden durch die Litze für und einer offen ist. Das heißt auch, dass die Fäden abwechselnd zum vorderen oberen und hinteren oberen Peg verlaufen.


Die Litzen werden angebracht, indem sie über den Litzenhalter gelegt und der Faden davor her geführt wird. Dann wird die Litze über den Faden geklappt und wieder nach unten und noch einmal um den Litzenhalter geführt. Der Faden wird somit ein Stück nach unten gezogen.

Wer auf diesem Bild genau hinsieht, kann erkennen, wie der erste Faden durch die Litze läuft, der zweite offen ist, der dritte wieder durch die Litze läuft und der vierte wieder offen ist...

Wird der Faden in einer anderen Farbe benötigt, wird der erste Faden einfach abgeschnitten und dir neue Farbe angeknotet.
Dies hat den Vorteil, dass es sich bei der Kette quasi um einen Endlosfaden handelt und leichte Spannungsunterschiede zwischen den einzelnen Fäden sich von alleine ausgleichen.

Wenn die letzte Runde geschafft ist, wird der Faden abgeschnitten und mit dem Faden, den wir ganz zu Beginn über die Flügelmutter gehängt haben, verknotet.

Auch hier bietet es sich wieder an, zunächst einen dreifachen Überhandknoten zu machen und ihn dann mit einem doppelten Überhandknoten zu sichern.

 

In diesem Bild ist auch sehr schön zu sehen, wie symmetrisch das Garn auf dem Spannungsregler verteilt ist.

Ist die Verteilung nicht symmetrisch kann davon ausgegangen werden, dass irgendwo beim Aufspannen ein Fehler gemacht wurde. Es lohnt sich also ein Blick, BEVOR mit dem Weben begonnen wird.

 

Es ist nicht nötig, die Fadenenden zu kürzen. Sie stören beim Weben nicht und wie ihr schnell bemerken werdet, bleibt am Ende immer ein Stück, dass nicht verwebt werden kann. In dieses Stück fallen die Knoten und die Fadenenden, so dass wir sie einfach ignorieren können.

Bei genauem Hinsehen können wir die beiden Reihen des Schärbriefes erkennen: links die obere Reihe, oben die untere.

Links (obere Reihe im Schärbrief): 3x grün, 1x gelb, 6x grün, 3x gelb, 6x grün, 1x gelb und 3x grün

Oben (untere Reihe im Schärbrief): 3x grün, 1x gelb, 2x grün, 4x gelb, 2x grün, 4x gelb, 2x grün, 1x gelb und 3x grün


Die Kette ist nun aufgezogen und wir können mit dem Weben beginnen.


Um nun mit dem Weben zu beginnen, brauchen wir noch etwas Werkzeug.

1. ein Schiffchen, auf das wir den Schußfaden ziehen und mit dem wir die Kette anschlagen können.

 

2. Eisstiele oder Pappstreifen, damit wir die Breite unseres Webstückes festlegen können, bevor wir mit dem Weben beginnen.

Auf das Schiffchen wird Faden in der Farbe der Randbrettchen aufgewickelt. Theoretisch könnte jede Farbe verwendet werden, aber gerade wenn einem die Erfahrung fehlt, werden auch leichte Fehler oder Unsicherheiten beim Weben deutlich sichtbar, wenn für den Schußfaden eine ane andere Farbe als die der Randfäden verwendet wird.

Je nach Fadendicke und Länge des Webstückes, kann es ausreichen, den Faden nur in der Mulde des Brettchens aufzuwickeln. Ist zu erwarten, dass mehr Schußfaden benötigt wird, wird der Faden, wie auf dem Bild zu sehen, über Kreuz gewickelt. Das hat den Vorteil, dass das Schiffchen nicht so viel an dicke zunimmt. Ein zu voluminöses Schiffchen ist beim Weben einfach hinderlich. 

Durch Auf- und Abbewegungen der offenen Kettfäden entsteht das Fach, in welches wir hier die Eisstiele legen.

Alle offenen Kettfäden tief - Eisstiel in das Fach und ganz nach unten ziehen.
Alle offenen Kettfäden hoch - Eisstiel in das Fach und an den vorangegangen Eisstiel anschlagen.

Diesen Vorgang mit mindestens 4 Eisstielen (oder Pappstreifen) wiederholen. 

 

Die Kette wird auf den Eisstielen nun so zusammen geschoben, dass das Holz der Stiele nicht mehr zu sehen ist.
Beim Bandweben wollen wir vom Schußfaden nichts sehen und damit wir die Breite recht genau haben, bevor wir mit dem Weben beginnen, nutzen wir die Eisstiele (oder alternativ Pappstreifen).

 

(den unteren Eisstiel hatte ich gerade in das Fach gesteckt, aber durch die nachfolgenden Stiele hat er sich gelockert.)

Haben wir die Breite mit Hilfe der Eisstiele ermittelt, bilden wir ein neues Fach und führen unser Schiffchen hindurch (in diesem Fall von links nach rechts, aber es spielt keine Rolle, von welcher Seite begonnen wird!), bilden das neue Fach und schlagen an.

 

Wir lassen ein gutes Stück Schußfaden überstehen (ca. 6-7x die Breite des Webstücks).

Das Schiffchen wird durch das neue Fach geführt. Gleichzeitig führen wir das Ende des Schußfadens in entgegengesetzter Richtung durch das Fach.

Auf beiden Seiten des Webbandes lassen wir eine Schlaufe des Schußfadens stehen und schlagen in dem nächsten Fach erneut an.

Erst nach dem Anschlagen im nächsten Fach, ziehen wir die vorher übriggelassenen Schlaufen ganz ein.

Wir achten genau auf unsere Kettfäden: Zwar wollen wir den Schußfaden im Webstück nicht sehen, aber wir wollen auch nicht, dass das Band übermäßig zusammen gezogen wird.

Die Schlaufe soll verschwinden, aber nicht zusammen schnüren.

Das Ende des Schußfadens wird zwei- bis dreimal hin und her gelegt. Danach wird nur noch mit dem Schiffchen gewebt und das überstehende Ende des Schußfadens abgeschnitten.

 

Im Bild ist das noch nicht abgeschnittene Ende des Schußfadens gut zu sehen. Es ist auch zu sehen, wie sich das Webbild nicht verändert, wenn nur mit dem Schiffchen weiter gewebt wird.

Wenn einige Reihen gewebt wurden können die Eisstiele entfernt werden. Sie müssen nicht zwangsläufig entfernt werden, aber sie machen das weiterziehen der Kette unnötig schwer. 
Ich webe so lange mit den Eisstielen, bis ich das Gefühl habe, dass mein Anschlag stabil ist und entferne sie dann. Meistens schneide ich dann auch das Ende des Schußfadens ab.

 

Im Bild sieht man sehr schön, wo die Eisstiele waren, denn obwohl ich sie rausgezogen habe, ist in den Fäden noch das Muster zu erkennen, das sie gebildet haben.

 

Von nun an wird einfach immer weiter gewebt, bis die Litzen erreicht werden. Dann wird die Kette ein Stück gedreht, um wieder Platz zum Weben zu haben. Dafür kann es notwendig sein, die Spannung zu verringern und nach dem Drehen erneut zu spannen.

Wird oft bei hoher Spannung die Kette über die Pegs gezogen besteht die Gefahr, dass sich die Pegs verziehen und dadurch das Webstück irgendwann nicht mehr gleichmäßig ist.


Die Kette ist nun so weit gewebt, dass das Schiffchen nur noch schwer hin und her bewegt werden kann und sich die Kette auch nicht mehr drehen läßt, ohne das Webstück zu verzerren.

Theoretisch könnten die nicht verwebt Kettfäden jetzt einfach durchgeschnitten werden, aber es spart einiges an Sortierarbeit, wenn zuerst die Litzen entfernt und ordentlich zusammen gelegt werden.

Dazu nehme ich die Spannung vom Webstück und entferne jede Litze einzeln.

 

Die Litzen hänge ich meist bis zum nächsten Einsatz über die Pegs des Webrahmens, damit ich sie nicht erst entwirren muß, wenn ich ein neues Projekt aufziehe.

Ich habe das fast fertige Band vom Rahmen genommen. Je nachdem, wie lang die Fransen sein sollen, schneide ich jetzt die Enden zu.
Das geht am gleichmäßigsten, wenn beide Enden aufeinander gelegt und dann alle Fäden auf einmal abgeschnitten werden. Setzt natürlich eine gute Schere voraus. 

Das fertige Band, bereit, weiterverarbeitet zu werden.

Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt, diese tollen Webstücke im Alltag einen Platz zu bieten. 

 


Habt ihr Fragen zu dieser Anleitung, so schreibt mir gerne. Ich werde versuchen euch so schnell wie möglich zu weiter zu helfen.

 

Viel Spaß beim Ausprobieren! Ich würde mich über ein Foto eurer Arbeiten sehr freuen.